Die Zahl der Maserninfektionen hat sich in Deutschland im
vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht. Das geht
aus noch unveröffentlichten Daten des Berliner Robert Koch-Instituts
(RKI) hervor, die dem ZDF-Magazin "Frontal 21" vorab vorliegen
(Sendung am Dienstag, 16. Januar 2018, 21.00 Uhr). Demnach wurde das
hochansteckende Virus im gesamten Jahr 2017 bei insgesamt 929
Menschen diagnostiziert. Ein Jahr zuvor waren es 325 Fälle.
Dr. Ole Wichmann vom Robert Koch-Institut warnt gegenüber "Frontal
21" davor, diese Virusinfektion zu unterschätzen, die im schlimmsten
Fall tödlich endet: "Das ist eine dramatische Sache, denn Masern sind
keine harmlose Kindererkrankung. Sie treten in allen Altersgruppen
auf bei denjenigen, die nicht geimpft sind, und sie können zu 10 bis
20 Prozent Komplikationen verursachen. Deshalb ist so was natürlich
immer ernst zu nehmen." Eigentlich sollte die Krankheit in
Deutschland schon im Jahr 2015 ausgerottet sein, so das erklärte Ziel
der Weltgesundheitsorganisation. Stattdessen kommt es immer wieder zu
neuen Masernausbrüchen, weil zu wenig Menschen dagegen geimpft sind.
Experten bereitet der Einfluss von Impfgegnern Sorge. Die habe es
zwar schon immer gegeben, aber durch ihre professionellen Auftritte
in den sozialen Medien fänden sie mehr Gehör. Wer sich im Internet
informieren will, stoße schnell auf ausführliche Seiten über
Impfschäden, angeblich gekaufte Ärzte und angeblich gefälschte
Studien. "Eltern suchen nach Informationen zum Thema ''Impfen'' und
wollen sich nicht nur auf das verlassen, was der Arzt empfiehlt,
sondern selbst mal schauen. Wir finden in Studien immer wieder: Je
mehr Info Leute suchen, umso schlechter sind sie informiert, umso
mehr Gerüchte glauben sie", erklärt Prof. Cornelia Betsch von der
Universität Erfurt. Die Psychologin befasst sich dort in
wissenschaftlichen Studien mit den Ursachen dieses Phänomens.
Immer mehr Eltern würden sich durch Panikmache und
Verschwörungstheorien strikter Impfgegner verunsichern lassen, stellt
auch der Verband der Kinder- und Jugendärzte fest. "Wir befürchten,
dass Säuglinge unter elf Monaten die Hauptbetroffenen sind. Sie haben
häufiger Komplikationen, die dann auch letztlich zum Tode führen, und
sie haben eben noch den Nachteil, dass die Eltern die Kinder gar
nicht impfen lassen können", so Dr. Jacob Maske vom Verband der
Kinder- und Jugendärzte in Berlin.
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